Montag, 29. Juni 2026

Lanzhou und Xiahe 
Mai/Juni 2026

Unser Vorhaben, über Kangding mit dem Bus in das sehr abgelegene, an der Grenze zu Tibet gelegene Dege zu fahren, haben wir nun leider wirklich ändern müssen.
Mindestens 2 anstrengende Tage mit dem Bus wären dafür notwendig gewesen um dorthin zu gelangen. So ganz genau haben wir es jedoch nicht herausgefunden. Wäre auf alle Fälle spannend gewesen.
Doch wie schon befürchtet bessert  sich das Wetter leider nicht, Regen und sogar Schnee für einen längeren Zeitraum sind angesagt, Dege liegt immerhin auf fast 4000 hm.
So kalt wollen wir es nicht. Da nützt die ganze schöne Bergwelt rundherum nix bei schlechtem Wetter. Das ist in China nicht anders als bei uns. Vor allem dort im tibetnahen Gebiet oder generell in den gebiergigen Regionen Chinas ist es dann überall kalt, draußen und drinnen. Thermofenster und Zentralheizung kennt man hier in den Dörfern der hohen Berge nicht.
Also was tun? Wo kann man bei besseren Bedingungen trotzdem auch tibetische Klöster besuchen? 
Schlussendlich finden wir eine dem Wetter angepasste neue Reiseroute über Lanzhou im Norden Chinas, obwohl wir hier nicht so nahe wie ursprünglich gewollt an die tibetische Grenze gelangen. 
Lanzhou, 1000 km nördlich von Ya´an,  mit der Hochgeschwindigkeitsbahn kein Problem. Die Zeit im Zug vergeht wie im Flug.
Umrahmt von kahlen braunen Bergen, eingebettet im Flusstal des Gelben Flusses liegt die Stadt mit ihren 3,5 Millionen Einwohnern auf 1650 hm.


 
Der Gelbe Fluss hat seinen Namen von seiner Farbe. Ockerfarbene Sedimente werden vom Wasser des Flusses aus der Bergwelt herausgewaschen und lassen den Fluss mit etwas Phantasie gelb erscheinen.




Der Strom hat seinen Ursprung wie der Jangtsekiang ebenfalls im tibetischen Hochland. 
Wie ein Omega windet er sich durch Nordchina, zuerst nach Osten, ab Lanzhou weit hinauf in die Innere Mongolei, ändert dort wieder zweimal um 90 Grad die Richtung, südlich von Peking überlegt er es sich nochmals, macht wieder eine Kurve und findet östlich im gelben Meer nach nicht ganz 5000 km sein Ziel. Er ist Chinas zweitlängster Fluss.
Lanzhou ist weit weg vom Meer oder anderen Badegewässern, so nutzen die Einwohner der Stadt das kühlende Nass am Ufer des durch die Stadt fließenden Flusses im heißen Frühjahr und Sommer




 


Manchmal ist es nicht leicht in einer großen Stadt eine ruhige Unterkunft zu finden. Für Renate aber auch hier kein Problem. Die Rezeption des 4 Sterne Hotels InterCity  in Lanzhou liegt im 38., unser sehr komfortables Zimmer im 43. Stock. Kein Lärm dringt nach oben so weit droben.




Das Frühstück, da auch ein wenig westlich orientiert, ein Traum für chinesische Verhältnisse und der Preis mit 66 Euro inkl. Frühstück fürs Zimmer unschlagbar. So wie fast überall in den Unterkünften Chinas gibt es auch hier hoteleigene Waschmaschinen und Trockner welche man gratis benutzen kann, inklusive Waschpulver.

Flaschenkürbis-Schnitzkunst, dafür ist Lanzhou sehr bekannt.





Diese traditionelle Volkskunst hat eine über 1.000 Jahre alte Geschichte. Künstler verwenden winzige Graviermesser und Nadeln, um detailreiche Landschaften, Blumen, Vögel, Figuren und Kalligrafien in die Haut meist sehr kleiner Kürbisse zu ritzen. Anschließend wird das gerade entstandene Kunstwerk mit Pinienruß - Tinte eingefärbt. Im Jahr 2006 wurde die Lanzhou-Kürbisschnitzerei in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Provinz Gansu aufgenommen. 
Wir sind ganz begeistert von diesen kunstvoll gestalteten kleinen Kürbisen. Inmitten der Stadt gibt es einen großen alten Tempelbereich indem allerlei Kunsthandwerk und Antiquitäten angeboten werden.














Zufällig entdecken wir dort einen ganz kleinen Laden wo ein sehr sympathisch und vertrauenswürdig wirkender alter Mann sich auf den Verkauf solcher Kürbisse spezialisiert hat.







Die Preise variieren von 20 Euro bis zu 1000 Euro das Stück. 




Der Laden daneben, ein Freund des alten Kürbisspezialisten, ist auf Kalligraphie spezialisiert. Chinesische Kalligraphie. 






Das ist perfekt, so hat Renate für den nächsten Tag gleich eine  Kalligraphiestunde gebucht. 











Außerdem hat sie sich dort einen Fächer mit ihrem Namen und die Rückseite mit der sehr schönen Bedeutung ihres Namens in chinesischer Schrift beschriften lassen.







Xiahe - Kloster Labrang

Nach angenehmen 4 Tagen in Lanzhou fahren wir mit dem Taxi 250 km weiter nach Xiahe. Xiahe liegt bereits auf über 2900 hm und dort erwarten uns gemütliche Restaurants, eine angenehme Unterkunft und ein großes tibetisch buddhistisches Kloster umgeben von einer sehr schönen Landschaft. 

















Das in Xiahe angesiedelte Kloster Labrang in der Provinz Gansu ist eines der größten und einflussreichsten tibetisch-buddhistischen Klöster außerhalb Tibets.
1709 gegründet wurde es mit über 1000 Mönchen ein Zentrum für die tibetisch buddhistische Gelugpa Mönche (Yellow Hat) inkl. einer Buchdruckerei und einer Bibliothek von derzeit über 60 000 heiligen Texten. Es zieht Pilger und chinesische Touristen gleichermaßen in großer Zahl an.





Die Klosterstadt hat eine Größe von ca. 90 ha und ist in Wohngebiete mit kleinen niedrigen Lehmhäusern und in spirituelle heilige Gebiete mit Tempeln, Bibliotheken, einer Schule und Stupas eingeteilt. 















Der ganze Bereich wird von einer 3,5 km langen Klostermauer umrahmt. Der Weg um diese Mauer stellt die Innere Kora dar. Über 1600 sehr schöne kleine und größere Gebetsmühlen schmücken den überdachten heiligen Gang rund um das Kloster. 









Auch Renate hat sich hier rund um das Klostergelände auf den Weg gemacht und hat mit vielen anderen Gläubigen zielgerichtet und in Meditation versunken die große Anzahl an Gebetsmühlen drehend nach 1,5 Stunden wieder den Ausgangspunkt erreicht.








Puja im alten Tempel des mächtigen Klosters Labrang:
400 Mönche sitzen im Halbdunklen, in einem großen, aus altem Holz gezimmerten buddhistischen Tempel am Boden und beten. Unzählige bunte Banner, handgeknüpft aus Stoff in angenehmen Farben schmücken die Wände, hunderte andere hängen meterhoch von der Decke, dämpfen das spärliche Licht noch zusätzlich und verstärken dadurch die mystische Stimmung. Jede einzelne der vielen geschnitzten und kunstvoll bemalten Holzsäulen ist ein Kunstwerk für sich. 
Ausgehend von beeindruckenden Buddhastatuen welche  von hunderten Butterlampen beleuchtet werden und durch den Duft der Räucherstäbchen in den drei dahinter liegenden, spärlich beleuchteten Räumen mit Altären wird eine unbeschreibliche spirituelle Kraft spürbar. Eine Energie wird frei so wie ich sie in der westlichen Welt kaum einmal gespürt habe. Der monoton leise aber kraftvolle, bis ganz ins Innerste dringende meditative Gesang von den hunderten in dunkelrot gekleideten Mönche, gepaart mit dem Duft der Räucherstäbchen,  ich lasse meinen Emotionen freien Lauf. Es berührt.
Fotografieren in den Gebetshallen ist strengstens verboten, und ich bin froh darüber. Nur so habe ich die Möglichkeit, habe Zeit in mich zu gehen. Nur so kann ich versuchen dieses Einmalige, dieses so mächtig Empfundene so intensiv wie nur möglich zu erleben, nachhaltig. Sehr schnell vergisst man, wird positiv Erlebtes von etwas Anderem oft Unwichtigem überlagert. Geschriebenes bleibt länger bestehen.

Eine gute Stunde von Xiahe entfernt erreicht man eine Hochebene, das Grasland, wo zwei weitere  kleine Klöster, umgeben von einem sehr schönen Gebirgszug, besucht werden können. 








Der Besuch der Klöster zahlt sich jedoch leider nur bedingt aus, da Teile der Klostergebäude entweder restauriert oder abgerissen und neu aufgebaut werden. 
Wie leider so oft in China, das muss man ehrlich sagen, hat Altes keinen Wert. Es wird historisch Wertvolles abgerissen und nachgebaut wieder aufgebaut. Schön ist es nur bedingt, dafür neu.













Nach 3 Nächten in Xiahe fahren wir wieder zurück nach Lanzhou und in weiterer Folge 2 Tage später weiter in Richtung Peking.
Die Reise ist jedoch noch nicht ganz zu Ende. Von unserem Grundgerüst der Chinareise, die vier heiligen buddhistischen Berge zu besuchen, ist nun noch der Wutai Shan offen.







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