Donnerstag, 11. August 2022

Altyn Arashan Valley und Lake Ala Kol Asuu


1.Tag 


Nun sind wir in Karakol im Osten Kirgistans gelandet, einer Provinzstadt mit ca. 80.000 Einwohnern. 

Im Riverside Guesthouse fühlen wir uns sehr wohl. Die Inhaber, ein Holländer und seine kirgisische Frau, versorgen uns mit sehr vielen nützlichen Informationen, organisieren uns Taxis und zukünftige Unterkünfte, einen Filzkurs für Renate und haben zusätzlich sehr viele nützliche Tipps für unsere weitere Reise parat (€ 35,- incl. Frühstück).


Von Karakol aus werden auch Expeditionen zum nahen 7439 m hohen Pik Pobeda gestartet. Das Massiv an der Grenze zu China und Kirgistan mit seinem 65 km langen Engilcek Gletscher, einem der längsten Gletscher weltweit, ist jedoch nicht unser Ziel. 


Unser Ziel ist das Altyn Arashan Valley, 30 km von Karakol entfernt. Von hier kann man unter anderem zu dem sehr reizvollen See Ala-Köl Asuu wandern. 

 








gemütliches Café in Karakol




2.Tag


Renate fühlt sich nicht gut, Covid bestätigen 2 Tests, leider und sehr schade. So beschließen wir, dass ich alleine unser Vorhaben durchführe. 

Also starte ich mit einem Fahrer und seinem Jeep russischer Bauart um 09:30 Uhr mit einem voll bepackten Rucksack ins Altyn Arashan Tal. 6500 Som ( ca. 80 Euro ) kostet der Transfer. 

Die ersten 15 km ist die Strasse sehr gut, aber die nächsten 15 km haben es in sich. 1,5 Stunden benötigen wir für diese restliche Strecke. Die vom Regen und Wildbachwasser ausgewaschene Piste kann man wirklich nur mit einem extrem geländegängigen Fahrzeug bewältigen und das, finde ich, ist bereits grenzwertig.

So bin ich sehr froh, als wir heil oben im Hochtal ankommen, welches auf 2500 hm liegt. 

In Jurtencamps kann man übernachten und hier wird man auch mit Essen versorgt.


3 Nächte sind eingeplant. 20 Euro pro Nacht inkl. Frühstück und einfachem, aber sehr guten Abendessen scheinen wie geschenkt. Natürlich ist das Zimmer einfachst, ich schlafe in einem Haus und nicht in der Jurte und die Brause außerhalb des Hauses ist kalt, da der Holzofen, welcher das Wasser aufheizen soll, defekt ist.


Zum Akklimatisieren und da das Tal zum Wandern einlädt, gehe ich am Nachmittag für ca. 4 Stunden in ein Nebental auf eine Höhe von ca. 3100 m. Die Waldgrenze liegt auf 3000 m, darüber saftiges Almgebiet. 

Außer mir niemand, nur ein paar Hirten, Schafe, Kühe und Pferde. 


Um 19 Uhr gibt es Abendessen. Da ich am nächstenTag früh aufstehen will, gehe ich frühzeitig schlafen, nachdem ich den Rucksack fertig gepackt habe. 


































3.Tag 


Tour zum See Ala-Köl Asuu


Start um 06:15 Uhr, 1400 Hm sind zu bewältigen bis zum Pass auf 3925 m.

Die meisten Bergsteiger überschreiten von der anderen Talseite aus den Pass, da man hier nur einen Anstieg von 400 Hm zu überwinden hat. Und da ich auch schon sehr früh gestartet bin, bin ich die ersten Stunden komplett alleine unterwegs. 

Es ist sehr wichtig bereits über die erste Brücke ganz am Anfang die Talseite zu wechseln, da es danach keine Möglichkeiten dazu mehr gibt. Flüsse sind generell bei Wanderungen das größte Hindernis. 

5 1/2 Stunden benötigte ich bis zum Pass, ich lasse mir Zeit, genieße die Natur, aber spüre auch die Höhe. Besonders die letzten 150 Hm sind sehr steil, 40 - 45 Grad. 

Traumhafte Aussicht am Pass, der Blick hinunter zum blauen See überwältigend. Hier gibt es sie noch, die vergletscherte Bergwelt, welche bei uns in Österreich leider zu verschwinden droht. 

Mit dem Wetter habe ich großes Glück, bis Mittag wolkenlos und auch danach gibt es keines der ansonsten üblichen Gewitter am Nachmittag. 

Nach über einer Stunde am Gipfel gehe ich den selben Weg wieder retour.
































4.Tag


Frühstück um 08:00 Uhr, danach beschließe ich, das Hochtal über die linke Talseite zu erkunden. 20 km weit kann man noch ins Tal hinein wandern, bis es bei einer Gletscherzunge zu Ende ist.

Ganz so weit schaffe ich es nicht, nach 14 km drehe ich wieder um. 

Der Wildbach ist mein Wegweiser, zwei, dreimal begegne ich einem Reiter, eine Sennerin mit ihrem Sohn lädt mich zu einem Glas Milch ein. Und wichtig für mich, einen Kirgiesen mit Kamera und Stativ habe ich ständig im Blickfeld. Er gibt mir Sicherheit, sollte was passieren. 

Natürlich habe ich aber auch im Jurtcamp mein Ziel bekannt gegeben und dass ich zum Abendessen wieder zurück sein werde























5.Tag


Um 10:00 Uhr nach dem Frühstück verlasse ich das Tal. Diesmal zu Fuß, wieder mit dem Jeep erscheint mir zu anstrengend. 

Nach 3 Stunden, fast schon am Ziel, treffe ich einen Dorfbewohner des Dorfes Ak Su. Spontan lädt er mich zu einem Picknick neben einem Bach im Wald ein. Der Tisch ist gedeckt, der Griller angezündet.

Es gibt gegrilltes Faschiertes, Kartoffeln, mir unbekanntes Gemüse und Melonen. Und wir sind nicht alleine, seine 2 Schwestern, deren 2 Töchter und eine Russin aus Krasnojask sitzen mit am Tisch.

Das Essen ist köstlich, nur von dem mir in Mengen angebotenen, hausgemachten Cognac lehne ich großteils mit der Notlüge ab, ich hätte noch nie Alkohol getrunken. 



















Sonntag, 7. August 2022

 Issyk-Kul

Der größte See Kirgistans ist 182 km lang, 60 km breit und bis zu 668 m tief. Er liegt auf einer Höhe von 1608m im NO des Landes. Ca 118 Flüsse und Bäche fließen in den See, Abflüsse gibt es keine, dadurch hat der See einen Salzgehalt von 0,6%. 
Issyk-Kul bedeutet "Heißer See", da er wegen seines hohen Salzgehaltes im Winter nicht zufriert. Umgeben ist der See im Norden und im Süden von sehr hohen Bergen, das Panorama ist unglaublich schön.
Wir waren für 3 Nächte im Norden des Sees im Ort Bosteri. Hier und in den Nachbarorten herrscht im Sommer für wenige Monate Hochbetrieb, sehr viele Kirgisen und Russen verbringen hier ihren Urlaub.
Die Strände sind überfüllt, das Wasser ist angeblich nicht überall so sauber wie in Bosteri. Bei uns war es trotz vieler Gäste sehr sauber und nicht kalt (ca 22 Grad).
In den Orten gibt es Vergnügungsparks mit Riesenrädern, Hochschaubahnen, vielen Buden mit Ramsch, Essen und Getränken und es wird täglich bis in die Nacht hinein gefeiert. Wir haben glücklicherweise etwas außerhalb des Ortes gewohnt, es war daher wirklich erholsam und wir hatten einen traumhaften Ausblick auf die Berge und den See.








Josef auf Fototour im Riesenrad
















Fahrt ins Blaue

Der große, blaue Issyk-Kul lädt zum Baden ein - wirklich.                                          
Doch es gibt rundherum eine Bergwelt, welche man nicht alle Tage sieht.
Also, im Wasser planschen kann ich im Wallersee auch - wirklich.
Renate sieht das anders, also, es geht hier um mich.
So mache ich mich auf den Weg nach Grigorievskaya. Ein schönes Tal in den Bergen soll es hier geben, 30 km von hier entfernt, schaffe ich nicht zu Fuß. Nun gibt es hier Marschrutkas, aufhalten, einsteigen, zahlen, hinsetzen, aussteigen - so mein Plan.
Das mach ich dann um 07:00 Uhr morgens. Ich steige ein, der Fahrer nickt. Ich sage Grigorievskaya, der Fahrer spricht meine Sprache nicht und nickt. Ich schätze den Preis, 200 Som, 2,40 Euro. Der Fahrer nimmt das Geld, lächelt und nickt.
Wir fahren los, alles paletti. Links die Berge, über 4000 m hoch, rechts der See, über 600 m tief.
Es gibt viel zu schauen, sehr viel, irgendwann zu viel.
Ich sage dem Fahrer, der meine Sprache nicht spricht, nochmals, wohin ich will. Er antwortet, ich verstehe seine Sprache nicht. Er nickt nicht mehr, sagt "Karakol - 110 km". 
Ok Karakol, Karakol ist gut, aber erst in 2 Tagen, mit Renate. 
Grigorievskaya liegt also schon eine schöne Strecke hinter uns, links die Berge, rechts der See. 
Der Fahrer fährt unbeirrt weiter, ich sitze jedoch schon in einer anderen Marschrutka, links der See, rechts die Berge.
Dann endlich Grigorievskaya, kleine Ortschaft mit einem kleinen Bazar. Mein Ziel, ein Hochtal, ist jedoch noch 8 km entfernt. Ich helfe einer alten Frau drei Ständer mit Kleidern vom Laden auf die Straße zu stellen. Die alte Frau, dankbar, fragt wohin ich denn will und organisiert mir eine Maschina - im Nu sitze ich in einem alten Lieferwagen, hinten im verschlossenen Laderaum zwischen Kisten Gemüse und Brot. Ohne Fenster, wie sich herausstellt, alles schwarz um mich - quasi Schwarzfahrer auf der Fahrt ins Blaue.
Im Hochtal angekommen sehe ich Nomaden, Pferde, Kühe, Schafe und eine schöne Almlandschaft. Und viele Berge. Fast wie zu Hause, nur statt Almhütten Jurten. 
Retour fahre ich am Abend wieder mit einer Marschrutka. Aufhalten, einsteigen, zahlen, hinsetzen, aussteigen. Schätze den Preis erneut, diesmal 50 Som.



















































Donnerstag, 4. August 2022

 Bishkek

Am 30. Juli 2022 um  07:20 Uhr landen wir fast pünktlich in Bishkek (1 Mio. Einwohner, 800 hm).      Wir besorgen uns gleich zwei SIM-Karten für unsere Telefone und es wartet auch schon unser Taxi vom Hotel Navat (zentral gelegen - € 65,- incl. sehr gutem Frühstück) auf uns.

Im Hotel angekommen fallen wir gleich in die (sehr bequemen) Betten und schlafen bis 13:00 Uhr. Danach bekommen wir Besuch von Nurijas Sohn, der uns mit Torte und Blumen in Kirgistan willkommen heißt. Leider muss er gleich wieder weiter, aber wir treffen uns ja am Nachmittag mit Kuma, einer Freundin Asjas, die uns viel über Land und Leute erzählt. Sie ist eine freundliche, intelligente junge Frau, die in ihrem Leben beruflich viel erreichen möchte. Daneben ist es ihr aber auch sehr wichtig, besonders Frauen zu unterstützen, die es nicht so leicht haben.                                                 Bevor sie uns die Innenstadt zeigt, hilft sie mir, einen ebook-reader zu kaufen, meinen habe ich auf dem ersten Flug von Wien nach Istanbul im Flugzeug liegen lassen - hoffentlich übernehme ich nicht diese Eigenschaft von Josef...  ; ).                               Am Abend essen wir mit ihr in einem sehr gemütlichen Restaurant neben einem Vergnügungspark Manty, ähnlich den mongolischen Momos.







Am nächsten Morgen um 08:00 Uhr werden wir von Elvira, einer anderen Freundin Asjas, vor dem Hotel erwartet. Sie hat das Familienauto bekommen, damit sie uns den ca 1 Autostunde von Bishkek entfernten Nationalpark Ala Archa zeigen kann. Auch sie ist eine intelligente und äußerst liebenswerte junge Frau. Von ihr erfahren wir viel über die kirgisische Kultur und wir haben eine interessante gemeinsame Zeit. Nach einer schönen Wanderung im Nationalpark, die zuerst gar nicht so unanstrengend ist, wir starten auf 2300 hm, fahren wir am Nachmittag zu einem traditionellen Anwesen. Aufgebaut wie ein Freilichtmuseum kann man viele verschiedene Hütten und Jurten besuchen, die sehr gemütlich eingerichtet sind und sich irgendwo im Gelände einen Tisch aussuchen, an dem man essen möchte. Wir bestellen unterschiedliche kirgisische Gerichte und kosten uns durch. Dazu gibt es Tee mit Milch. Eigentlich wollten wir danach noch den Osh-Bazar besuchen, es ist aber schon zu spät und außerdem sind wir müde und verschieben den Besuch auf morgen.





















Den Montag beginnen wir gemütlich mit einem späten Frühstück, fahren zum Osh Market und bummeln durch die Stadt. Bishkek ist eine Stadt mit viel Grün und großen Parks.  Am Abend treffen wir uns wieder mit Elvira, diesmal im Steinbräu, einem deutschen Bräuhaus. Das Bier hier ist ebenso gut wie die Schnitzel 😉und wir verbringen einen äußerst lustigen Abend mit Elja.                                                                                                                                                                                                                                                                                                          











Am Dienstag geht es dann mit einer Marschrutka (kleiner Bus, der abfährt, sobald alle Plätze besetzt sind) weiter zum Issyk-Kul nach Bosteri.