Fenghuang
Der Name Fenghuang klingt für mich romantisch. Und man
wird nicht enttäuscht, hier spürt man China, auch ein wenig das alte
China, wenn man so will.
Wir hatten Glück, die Maifeiertage waren vorbei und so waren viel weniger Touristen unterwegs als befürchtet.
Fenghuang
heißt auf chinesisch Phönix und Phönix ist ein Symbol für Schönheit und
Wiedergeburt. Die alte Stadt wurde vor über 300 Jahren in der Qing
Dynastie links und rechts des Flusses Tuojiang errichtet.
Ursprünglich
war Fenghuang eine befestigte Garnisonsstadt, um die eigene Bevölkerung
vor den eindringenden Miao Stämmen zu schützen.
Von den
Stadtmauern ist heute nichts mehr zu sehen, aber einiges der alten
Bausubstanz von den alten Holz- und Stelzenhäusern blieb noch erhalten.
Doch vieles wurde leider, wie so oft auch wo anders, der heutigen Zeit, der Zeit des Over Tourismus angepasst.
So
bewegt man sich links und rechts des Flusses zwischen alten Häusern in
engen Gassen, aber auch zwischen Kitsch und Souvenirs hin und her.
Das Angebot an Restaurants, Cafés, Unterkünften und kleinen Geschäften ist riesig.
Aufdringlich
sind sie jedoch nicht die Verkäufer und Verkäuferinnen, ist doch jeder,
und zwar wirklich alle, mit dem Handy beschäftigt.
Das Handy gibt man auf gar keinen Fall aus der Hand. Beim Essen nicht, beim Arbeiten, beim Gehen, im Bus oder Zug auch nicht.
Sogar am Klo, Männer am Klo starren ins Handy während sie mehr oder weniger treffsicher ihre Notdurft verrichten.
Das
Handy ist hier ein wichtiger Teil des Lebens und gehört einfach dazu.
Bei uns zu Hause zwar auch, aber bei weitem nicht so extrem wie
hier.
Am Abend wird die Stadt stimmungsvoll beleuchtet, kleine
Boote drehen mit Touristen ihre Runden. Es ist eher wie auf einer Bühne,
man fühlt sich wie in einem Theater. Unrealistisch und fremd und so
anders, dass es schon wieder voll interessant wirkt und man aus dem
Staunen nicht herauskommt.
Auch hier sieht man, dass die im
vorigen Beitrag erwähnte Hanfu Bewegung ein richtiger Wirtschaftszweig
geworden ist. Unzählige Läden verleihen Kostüme, wo dann auch die meist
jungen Leute entsprechend geschminkt werden und der Fotograf macht in
weiterer Folge auch noch ein gutes Geschäft.
Manche schauen ja wirklich toll aus in den traditionellen Gewändern. So
hübsch, auch ich kann nicht wiederstehen und mache, zuerst einmal
zaghaft, ein paar Fotos. Aber dann merke ich, es wird mir signalisiert,
dass es sogar erwünscht ist, Fotos von den traditionell Gekleideten zu
machen. Viele bedanken sich sogar recht herzlich und hoffen, dass mit
den Fotos ihre Aufmachung in die Welt hinaus getragen wird.
Nach 3
Tagen verlassen wir unsere gemütliche Unterkunft am Fluss wieder und
fahren weiter nach Furungzhen, welches nur 110 km weiter nördlich auch
in der Provinz Hunan liegt.
Furong Zheng
Ein weiterer sehr sehenswerten Ort von vielen in der Provinz Hunan ist Furong Zheng.
Furong
Zeng wird auch als alte Stadt am Wasserfall bezeichnet.
Ich denke dabei
ein wenig an das auch heute noch von der Kaiserzeit geprägte
Badgastein. Natürlich ist es ganz anders, hat unser Kaiser doch nie den
Kaiser von China besucht. Nicht dass ich wüsste.
Obwohl, wurde in
China nicht das bei Chinesen so beliebte Hallstadt nachgebaut? Warum
also nicht auch Badgastein, ist ja auch sehr schön.
Und die Bergwelt
rundherum, einfach traumhaft! Das klingt jetzt schon ein wenig wie
Heimweh. Nein ist es noch nicht. Doch wir schätzen unsere schöne Heimat
schon sehr.
Wir wussten ungefähr, was uns in China erwartet da
wir bereits vor 10 Jahren das Land von Dalian im Osten bis zur
tibetischen Grenze im Westen besucht haben.
10 Jahre sind eine
sehr lange Zeit. Damals schliefen wir noch des öfteren in sehr einfachen
Unterkünften und Jugendherbergen. Das ist heute anders.
Wir haben uns verändert, auch das Land hat sich stark verändert.
Positiv überrascht uns immer wieder die freundliche Art der Leute. Ganz
egal ob in der Provinz oder in der Millionenstadt, wir fühlen uns
herzlich willkommen.
"Welcome in China" sagte eine junge fremde Dame
in Yuhan am Bahnhof, von welcher wir vorher eine Auskunft brauchten.
Gleichzeitig überrascht sie uns mit einer Schachtel voller Kuchen und
ist schon wieder weg.
Oder vor einigen Tagen wieder an einem
Bahnhof. Renate hatte kurzen Kontakt mit einem chinesischen Reisenden,
welcher am Rucksack ein rotes Pferd als Anhänger trug. Da heuer ja das
Jahr des Pferdes ist, signalisiert Renate dem Mann ihre Erkenntnis mit
einem Daumen hoch. Kurzerhand entfernt der Mann das Maskottchen und
schenkt es Renate.
Mittlerweile haben wir uns auch schon etwas an das
Leben hier gewohnt.
China ist groß und sowohl landschaftlich als auch kulturell sehr vielfältig.
Aber vor allem was die Landschaft betrifft wird sehr vieles kaputt gemacht.
Überall
wird gebaut. Häuser, Städte, Straßen, Schienennetze, Kraftwerke und Hochspannungsleitungen sind fast überall präsent. Unberührte Natur sieht
man immer weniger. Autoritäre Politik und die Wirtschaft bestimmen das
Schicksal des Landes. Auf Kosten der Umwelt und natürlich in weiterer
Folge auch auf Kosten der Bevölkerung.
Über Negatives einer
Reise zu berichten, ist immer etwas schwierig. Gleich einmal fragt man
sich auch selbst, warum bin ich überhaupt hierher gekommen.
Und man ist natürlich noch kritischer wenn man wie wir das Glück hat in einem Land wie Österreich aufgewachsen zu sein.
China
ist ein totalitärer Überwachungsstaat. Es gibt keinen Ort, wo keine
Kameras installiert sind. Außer im Hotelzimmer oder auf der Toilette,
und da ist man sich nicht sicher.
Man wird durchgehend überwacht, vor
allem auf der Straße. Unzählige Kameras und Radargeräte sind
installiert, biegt man mit dem Auto irgendwo ab, wird das erkannt und
man wird schon wieder geblitzt. Flächendeckend im ganzen Land.
Es ist unglaublich und Gott sei Dank bei uns undenkbar.
Taxifahrer
sind sehr wortkarg, aber nicht nur weil sie einen sowieso schlecht
verstehen, auch deshalb, weil die Gespräche im Taxi aufgezeichnet
werden.
Ohne Reisepass kann man fast nichts unternehmen, braucht man für
Museumsbesuche, am Bahnhof usw., oft gibt es zusätzlich noch ein
Gesichtscreening.
Viele der Sehenswürdigkeiten und Nationalparks
sind total überlaufen, vor allem am Wochenende und während der
angeordneten Feiertage.
Aber da gibt es was Positives zu
berichten. Chinesen sind keine Wanderer, bevorzugen in den Bergen die
Seilbahn. Wählt man selbst den optionalen Wandersteig ist man alleine.
Kaum geht man ein paar Schritte weg vom üblichen Weg, wird es angenehm
ruhig.
Denn es ist laut, wirklich laut. Zusätzlich wird, um z.
B. Essen oder sonst was von einem Standl anzupreisen ein Lautsprecher
mit einem Tonband verwendet. Mit Musik untermalt und in einer Tour den
ganzen lieben Tag. Der Lärm potenziert sich wenn oft mehrere Standler
ihre Waren verkaufen wollen. Man hält es kaum aus.
Sehr gebessert
haben sich im Vergleich zu vor 10 Jahren die Manieren beim Essen. Es
wird nicht mehr so viel gespuckt, gerülpst und alles bleibt am Teller,
auch wenn's nicht schmeckt.
Aber nun genug der negativen Eindrücke.
Die Stadt Furong ist eher klein, hat aber einiges zu bieten. Betritt man
den historischen Teil rund um den Wasserfall muss man ein paar Euro
Eintritt bezahlen, das Permit ist dann 3 Tage lang gültig.
Inkludiert sind der Besuch von kleinen Theatervorstellungen, auch traditionelle Tänze werden auf Bühnen aufgeführt.
Am
Abend wird die Stadt wieder toll beleuchtet. Unweit des Wasserfalls war
die Stimmung bei einem Glas Bier unglaublich romantisch.
Aufgrund des in der Nähe liegenden Zhangjiae Nationalparks, welcher
auch bei europäischen Reisenden sehr beliebt ist, gibt es in dieser Stadt mehr
internationale Besucher als gewöhnlich.
Wir verbrachten hier in einem über 100 Jahre alten Holzhaus, sehr gemütlich, ruhig und entspannt, drei Tage.
Zhenyuan liegt in der Provinz Guizhou und ist noch nicht so bekannt wie Fenghuang oder Furungzheng.
Das kann auch daran liegen, dass es hier sehr häufig regnet.
Wir haben Glück und außer ein paar kurzen Schauern gab es kaum Niederschlag bei sommerlichen Temperaturen um die 28 Grad.
Wieder
hat Renate uns in einem alten und historischen Haus in der Altstadt ein
Zimmer gebucht. Es war herrlich ruhig hier, die Zimmer groß und
geschmackvoll eingerichtet inklusive Balkon mit Blick in den Innenhof.
Direkt im Hotel gab es für Renate die Möglichkeit die Batiktechnik auszuprobieren.
Die sehr schöne antike Stadt hat eine 2000 Jahre alte Geschichte und liegt ebenfalls an direkt einem Fluss, am Wuyang - Fluss.
Neben der Kleinstadt gibt es einiges zu besichtigen unter anderen die Qinglong Höhle.
Der
Begriff Höhle ist irreführend, da es sich eigentlich nur um ein paar
Grotten handelt um die herum Tempel und Pavillons aus der Ming Dynastie
im 14. Jahrhundert errichtet wurden.
Wir besuchten auch das kleine historische Museum der Stadt.
Da ich auch die Drohne mithabe mache ich ein paar Aufnahmen aus der Luft.
Obwohl, ich bin mir nicht mehr sicher, ob das so gscheit war.
Auch
dieses Mal wurde wie immer am Bahnhof unser Gepäck gescannt. Einem
sehr emsigen Beamten fiel meine Drohne im Rucksack auf, seine Nervosität
steigerte sich offensichtlich. Er inspizierte die Drohne, verlangte
meinen Pass und verschwand in ein Büro.
Nach einiger Zeit kam er
zurück, wollte was wissen sprach jedoch nur chinesisch. Wir stellten uns
dumm, er überprüfte die Drohne ein zweites Mal. Etwas verzweifelt ließ
er uns dann doch weiterfahren.
Danach habe ich mich genauer
erkundigt. Also seit heuer im Frühjahr muss man jede Drohne in China,
auch jene unter 250 Gramm, registrieren lassen. Ansonsten drohen saftige
Strafen von über 1000 Euro.
Über eine Organisation bin ich gerade dabei dies nachzuholen. Mal sehen ob's auch funktioniert.