Mittwoch, 7. Dezember 2016

Bodhgaya

Bodhgaya

Am 28.11. 2016 gab es einen Streik der Verkehrsunternehmen in Westbengalen, das heißt, wir hatten keinen Bus nach Siliguri. Josef fand aber einen Taxifahrer, der uns und zwei Damen aus Spanien nach Siliguri bzw. uns zum Bahnhof 10 km außerhalb brachte. Der Preis war leider um ein Drittel höher als normal, wir waren trotzdem froh weiterzukommen,  da wir das Zugticket bereits gekauft und ein Hostel in Bodhgaya reserviert hatten. 
Unser Zugabteil war nicht besonders einladend. Im Vorjahr, als wir bei solchen Waggons vorbei gegangen waren, hatte Josef noch gesagt, dass er in solche vergitterten Gefängniswaggons nicht einsteigen würde, nun blieb ihm nichts anderes übrig, da alle AC Plätze schon längst ausverkauft waren. Ein indischer Student fragte uns, wie uns der Zug gefällt und ich wollte nicht zu unhöflich sein und meinte, die Waggons seinen halt alt. Er war dann echt ein bisschen enttäuscht und erklärte uns, dass der Zug aber trotzdem sehr gut sei. Naja, wir rumpelten dann über Nacht bis in die Nähe von Patna, wo wir mit drei Stunden Verspätung ankamen, fuhren danach mit einem Tuk-Tuk zum 15 km entfernten Bahnhof in Patna und von dort mit dem Zug nach Gaya. Dann ging es wieder mit einer Motorrikscha 20km nach Bodhgaya, wo wir um 09:00 ankamen.
Hier wohnten wir fünf Nächte im einfachen aber sauberen Beauty Guesthouse für € 11,-- pro Nacht.

Bodhgaya ist ein Ort im ärmsten Bundesstaat Indiens, Bihar. Das Müllproblem hier ist gewaltig. Überall liegt Abfall, die Kühe, Hunde und Schweine fressen in diesem Dreck, die Bäche sind vermüllt... .
Alkohol gibt es in ganz Bihar seit drei Monaten keinen mehr. Angeblich gab es große Probleme mit Betrunkenen und die neue Regierung hat nun ein striktes Verbot verhängt und droht bei Vergehen mit schweren Strafen. 

Bekannt ist in Bodhgaya besonders der Mahabodhi-Tempel Komplex, in dem ein Ableger des Bodhibaumes steht, unter dem Prinz Siddharta Gautama zur Erleuchtung gelangte und Buddha wurde.
Daneben gibt es in Bodhgaya viele Tempel, die von verschieden buddhistischen Gemeinden anderer Ländern in den jeweiligen Baustilen errichtet worden waren. 
Auf dem Weg zum Tempel und auf den Märkten sitzen und liegen unzählige Bettler. Die meisten sind total verkrüppelt - das Wort "behindert" kann die furchtbaren Beeinträchtigungen dieser Menschen nicht beschreiben. Auch viele Kinder betteln, womit ich ein besonderes Problem habe. Kindern gebe ich grundsätzlich nichts, höchstens ein Stück Obst. Zu leicht ist es, sie an die Bettelei zu gewöhnen und vom Besuch einer Schule abzuhalten. Natürlich weiß ich, dass viele extrem arm sind, aber Betteln ist kein Weg aus der Armut.  
Es gäbe angeblich Möglichkeiten an Unterstützung für die Ärmsten, aber dazu müssen Formulare ausgefüllte werden... und kaum einer der Bedürftigen kann lesen oder schreiben bzw. weiß, wohin er sich wenden müsste und korrupte Bedienstete scheffeln das dafür bestimmte Geld auf ihre eigenen Konten.
Ein möglicher Weg aus dieser furchtbaren Situation führt nur über Bildung. Es gibt öffentliche Schulen, aber die Lehrer an diesen Schulen sind angeblich völlig unmotiviert und Kontrollen sind keine vorhanden. 
Wir trafen zwei junge Männer, die für eine private Schule/Heim arbeiten, an der Kinder betreut werden, die keine Eltern mehr haben, die zum Teil auf dem Markt beim Betteln gefunden wurden.
Diese 26 Kinder zwischen 2 und 15 Jahren schlafen in dem gemieteten Haus, bekommen Essen, Kleidung und Betreuung und werden in öffentliche Schulen geschickt, um ein Zertifikat zu bekommen. Am Nachmittag werden sie zusätzlich von einem privaten Lehrer unterrichtet.
Wir waren zweimal dort, haben auch eine Stunde unterrichtet und mit den Kindern gespielt. Zusätzlich haben wir Geld und ein paar Kilo Obst gespendet. 
Angeblich bekommt diese Einrichtung, obwohl registriert, keine öffentliche Unterstützung und ist auf Spenden angewiesen. Ich habe mich bei Jugendlichen in einem Nachbarhaus erkundigt, ob das ein gutes Heim ist usw., trotzdem bleibt ein unsicheres Gefühl bei mir zurück. Zu viele Leute wollen Spenden für irgendwelche Einrichtungen und angeblich wandert ein großer Teil des Geldes in die Taschen dieser Leute. Vielleicht bin ich auch zu misstrauisch, aber es gibt so viele Varianten, wie Touristen abgezockt werden, dass ich niemandem mehr so richtig vertraue. Lieber ist mir, es gibt jemanden, der die Verwendung der Spenden überwacht, wie z.B. Alfred Mandl auf den Kap Verden. Dort kann ich Geld für einen bestimmten Zweck abgeben und Alfred überwacht die Verwendung und berichtet über die Fortschritte. Außerdem entfällt das "direkte Geben", das mir unangenehm ist. Ich mag es nicht, wenn jemand sich erniedrigen und für eine Kleinigkeit bei mir bedanken muss. 

Am Donnerstag fuhren wir mit einer Rikscha zur 22 km entfernten Mahakala-Höhle, in der Buddha sieben Jahre in Askese gelebt hatte, bevor er erkannte hatte, dass diese Lebensweise nicht den richtigen Weg zur Erleuchtung darstellt. Die Höhle liegt inmitten steiniger Hügel, etwa 15 Minuten zu Fuß von der Straße entfernt. Froh, nach der Rumpelei in der Rikscha ein paar Schritte zu Fuß gehen zu können, wurden wir gleich von mindesten acht Motorrädern empfangen, die uns unbedingt zur Höhle fahren wollten und es dauerte, bis wir endlich auch dem letzten Fahrer verständlich machen konnten, dass mit uns kein Geld zu verdienen sei. 
Wir waren zu dieser Zeit die einzigen Touristen und der schmale Weg hinauf war gesäumt mit verstümmelten, verkrüppelten, ausgehungerten Bettlern, Blinden... Sie saßen und lagen am Wegrand und streckten uns ihre langen, dürren Arme entgegen.  Es war ein grauenvoller Anblick, aber vollkommen unrealistisch, wie in einem Film. Wir haben schon etliche Länder bereist, in denen viel gebettelt wird, aber so etwas hatten wir noch nie erlebt. Ich fühlte mich hilflos und alleine. 
Ohne den tiefen Glauben der Leute an eine bessere Wiedergeburt die von gutem Karma abhängt, gäbe es hier sicher unendliche Gewalt und Verbrechen.

Am letzten Tag besuchten wir noch den Baum, unter dem Buddha nach seinem langen Aufenthalt in der Höhle eine Woche meditierte, bevor er nach Bodhgaya kam.
Es ist ein riesiger, wunderbarer Baum in schöner Umgebung, ruhig am Vormittag, voller Kinder, die mit Touristen plaudern, spielen und diese anbetteln wollen, am Nachmittag.
Auf der Rückfahrt besuchten wir noch einen großen, interessanten Wochenmarkt mit Obst, Gemüse, Ziegen, Fisch, Kleidung und vielem mehr für Einheimische.

Am 4.12. fuhren wir mit dem Zug (4 Stunden Verspätung wegen Nebels)  weiter nach Varanasi.




   





Unser Zugabteil
Josef vor den Gitterstäben






Mahabodhi - Tempel Komplex































Thai-Tempel






Müllprobleme







Alte Hindu-Tempel









Vor der Mahakala-Höhle



In der Höhle



Eine Schulklasse wird unterrichtet



Kinder in Bodhgaya
























Wochenmarkt





















Buddha-Tree










Dienstag, 29. November 2016

Indien 

Darjeeling 

Am 15. November 2016 flogen wir von Bangkok nach Kolkata (ehemals Kalkutta).

Josef hatte gelesen, dass in Indien über Nacht die 500 und 1000 Rupien-Scheine für ungültig erklärt worden waren. Mein Sitznachbar im Flugzeug, ein Inder aus Varanasi, zeigte mir am Handy wie der neue 500er aussieht. Einen neuen 1000er Schein soll es nicht mehr geben, dafür einen 2000er. Ich war der Meinung, das sei kein Problem, wir dürften uns halt keine alten Scheine andrehen lassen.
Was ich nicht wusste war, dass es noch keine neuen Scheine gibt und man am Bankomaten nur 2000 Rupien abheben kann (ca 27,- €), wofür wir zwischen 3 und 5 Euro Spesen bezahlen. Außerdem gibt es vor jedem Bankomaten, der nicht geschlossen ist (und das sind viele), lange Schlangen von Wartenden. Die meisten Banken sind immer noch geschlossen, Euro oder Dollar wechseln ist daher auch kaum möglich und wenn, dann ebenfalls nur im Gegenwert von ca 30,- €.
Das Ganze soll die Korruption bekämpfen, zur Zeit leiden vor allem die einfachen Menschen und die kleinen Geschäfte, trotzdem jammert bzw. schimpft niemand.

Als wir dann in Kolkata am Flughafen ankamen, waren wir noch überrascht, dass kein Bankomat Geld hatte. Gott sei Dank hatte uns mein Sitznachbar angeboten, uns in die Stadt mitzunehmen. Sein Fahrer brachte uns (eineinhalb Stunden Fahrt) direkt zum Hotel, für ein Taxi, das mit Rupien bezahlt werden muss, hätten wir echt kein Geld gehabt. Das Zimmer und das Abendessen konnten wir mit Kreditkarte bezahlen und am nächsten Morgen stellte sich Josef in die Warteschlange um wenigstens ein paar Rupien zu bekommen, damit wir die Fahrt zum Flughafen und danach die Fahrt nach Darjeeling bezahlen zu konnten. Seither stehen wir halt oft und lange in der Warteschlange, da man kaum etwas mit Kreditkarte bezahlen kann.

In Darjeeling (2150m) wohnten wir für vier Nächte im Dekeling Hotel mitten in der Stadt. Im Aufenthaltsraum gab es einen kleinen Holzofen und einige Zimmer (auch unseres) wurden ab 18:00 Uhr beheizt, ansonsten war es überall kalt. Da wir kaum Bargeld hatten, mussten wir im Hotel frühstücken und auch zu Abend essen, da wir hier mit Kreditkarte bezahlen konnten.
Einmal leisteten wir uns einen "High Tea" im Windamere-Hotel, ein "altes Kolonialhaus mit Charme". Wir bezahlten umgerechnet € 11,-- pro Person und erhofften uns ein entsprechendes Service. Leider bekamen wir nur sehr wenig zu essen und trinken, kein Vergleich mit dem Afternoon Tea im Imperial in Delhi, das ich im Vorjahr mit Stephan genossen hatte, dafür hatten wir den Raum für uns alleine, mit offenem Feuer und alten Fotobüchern.
Besonders gefiel uns die Stadt Darjeeling nicht, viele indische Touristen, viel Schmutz, kalte Lokale...
Wir erkundeten die Gegend, besuchten das tibetische Selbsthilfezentrum, ein Kloster und planten einen fünftägigen Trek.
Für den Singalila Trek mussten wir uns einen Guide nehmen, einen Träger wollten wir auch. Insgesamt bezahlten wir für diese fünf Tage € 513,-  (in Euro) für die zweieinhalbstündige Fahrt zum Ausgangspunkt, Führer, Träger, Übernachtungen mit Frühstück, Mittag- und Abendessen und fünfstündige Fahrt zurück. Wenn wir alles einzeln organisiert hätten, wäre es billiger gewesen, aber wir genossen dieses Mal das "Inclusive Paket" ;).
Der Trek ist insgesamt ca. 83 km lang und man geht von 2100 m auf 3660 m, immer wieder auf und ab,  es war eine sehr schöne Wanderung aber auch sehr anstrengend (täglich 6 - 7 Stunden).
Der Weg führte über weite Strecken entlang der Grenze zu Nepal, aus diesem Grund gab es immer wieder Checkpoints.  Die erste Nacht verbrachten wir überhaupt in Nepal.
Leider war der Weg oft ein mit großen Steinen gepflasterter Weg, auf dem auch Jeeps fuhren,  die vorwiegend indischen Touristen beförderten.
Nur 20 % der indischen Touristen wandern, der Rest lässt sich fahren. Bei den ausländischen Touristen ist das Verhältnis umgekehrt. Es waren allerdings nicht mehr als 10 Autos pro Tag, während der Hochsaison im Oktober wird das sicher anders sein.
Die Unterkünfte waren natürlich einfachst und saukalt. Nur einmal bekamen wir im Essraum eine große Blechschüssel mit glühenden Holzkohlen zum Wärmen, zum Schlafen gab es aber immer eine Wärmflasche. In der zweiten Nacht hatte Josefs Flasche ein kleines Loch und in der Nacht wurde er munter, da seine Füße im kalten Nass lagen :(.
Die Tage waren warm und wir hatten wunderbares Wetter und traumhafte Sicht. Die Aussicht war überhaupt das Beste am ganzen Trek. Immer wieder hatten wir das Massiv des Khanchenzonga (mit 8590 m dritthöchster Berg der Welt und höchster Berg Indiens) und etwas weiter entfernt
das Mount Everest Massiv vor uns (daher auch so viele Fotos vom Khanchenzonga), das wäre wirklich etwas für Papa!
Nach diesen fünf Tagen schliefen wir noch eine Nacht in der Stadt Darjeeling und fuhren dann mit einem Sammeljeep nach Kalimpong, der Blumenstadt in Darjeeling. Hier wohnen wir für drei Nächte im Homestay "Holumba Haven", eine gemütliche Unterkunft, umgeben von einem Garten mit vielen Blumen, Hunden, Katzen und Hühnern.
Der Ort ist nicht so schmutzig und es gibt nur wenige Touristen. In den Shops kann man stöbern ohne zu einem Kauf gedrängt zu werden, es ist wirklich angenehm hier. Wir haben eine kleine Papierfabrik besucht, die insektenfestes Papier für die Klöster herstellt und Briefpapier gekauft, das auch unter den KommentarschreiberInnen verlost werden wird ;). Ich habe mit etwas Indisches zum Anziehen gekauft, da ich hauptsächlich Trekkingkleidung mithabe und wir in den nächsten Wochen in wärmeren Gegenden unterwegs sein werden, aber vor allem, weil Josef möchte, dass ich auf den Fotos mal etwas anderes anhabe ;).
Morgen soll es weitergehen nach Bodhgaya, zuerst mit dem Bus drei Stunden zum Bahnhof und danach mit dem Zug über Nacht nach Patna und von dort wieder mit dem Bus nach Bodhgaya. Jetzt haben wir aber gerade gehört, dass morgen in Westbengalen alle Transportunternehmen streiken werden, es sollen keine Busse, Züge etc. fahren. Keine Ahnung wie es weitergehen wird, die Zugkarte ist schon gekauft, das Hostel reserviert, mal sehen. Indien ist für uns heuer etwas schwierig zu bereisen.




Darjeeling - Blick aus dem Hotelzimmer




Darjeeling


Warten vor dem Bankomat





Kirche in Darjeeling










Lord and Lady R beim High Tea im Windamere House



Kinder in Darjeeling












Im tibetischen Selbsthilfezentrum



Singalila-Trek 




Grenzstein Indien-Nepal



In einem Dorf in Nepal










Abendstimmung




Kanchenzonga 8590 m




Mount Everest 8848 m




Kanchenzonga



Homestay - während des Singalila-Treks








Lunch
















Luxusunterkunft auf 3600 m



Abstieg durch interessante Wälder









Ausgangs- und Endpunkt des Singalila-Treks



Wochenmarkt in Kalimpong