Mittwoch, 27. Mai 2026

Fenghuang 

Der Name Fenghuang klingt für mich romantisch.  Und man wird nicht enttäuscht, hier spürt man China, auch ein wenig das alte China, wenn man so will.
Wir hatten Glück, die Maifeiertage waren vorbei und so waren viel weniger Touristen unterwegs als befürchtet.
Fenghuang heißt auf chinesisch Phönix und Phönix ist ein Symbol für Schönheit und Wiedergeburt. Die alte  Stadt wurde vor über 300 Jahren in der Qing Dynastie  links und rechts des Flusses Tuojiang errichtet.







Ursprünglich war Fenghuang eine befestigte Garnisonsstadt, um die eigene Bevölkerung vor den eindringenden Miao Stämmen zu schützen.
Von den Stadtmauern ist heute nichts mehr zu sehen, aber einiges der alten Bausubstanz von den alten Holz- und Stelzenhäusern blieb noch erhalten.
Doch vieles wurde leider der heutigen Zeit, der Zeit des Over Tourismus, angepasst.




So bewegt man sich links und rechts des Flusses zwischen alten Häusern in engen Gassen, aber auch zwischen Kitsch und Souvenirs hin und her.















Das Angebot an Restaurants, Cafés, Unterkünften und kleinen Geschäften ist riesig.








Aufdringlich sind sie jedoch nicht die Verkäufer und Verkäuferinnen, ist doch jeder, und zwar wirklich alle, mit dem Handy beschäftigt. 
Das Handy gibt man auf gar keinen Fall aus der Hand. Beim Essen nicht, beim Arbeiten, beim Gehen, im Bus oder Zug auch nicht.
Sogar am Klo, Männer am Klo starren ins Handy während sie mehr oder weniger treffsicher ihre Notdurft verrichten.
Das Handy ist hier ein wichtiger Teil des Lebens und gehört einfach dazu. Bei uns zu Hause zwar auch, aber bei weitem nicht so extrem wie hier.

Am Abend wird die Stadt stimmungsvoll beleuchtet, kleine Boote drehen mit Touristen ihre Runden. Es ist eher wie auf einer Bühne, man fühlt sich wie in einem Theater. Unrealistisch und fremd und so anders, dass es  schon wieder voll interessant wirkt und man aus dem Staunen nicht herauskommt.











Auch hier sieht man, dass die im vorigen Beitrag erwähnte Hanfu Bewegung ein richtiger Wirtschaftszweig geworden ist. Unzählige Läden verleihen Kostüme, wo dann auch die meist jungen Leute entsprechend geschminkt werden und der Fotograf macht in weiterer Folge auch noch ein gutes Geschäft.



Manche schauen ja wirklich toll aus in den traditionellen Gewändern. So hübsch, auch ich kann nicht wiederstehen und mache, zuerst einmal zaghaft, ein paar Fotos.  Aber dann merke ich, es wird mir signalisiert, dass es sogar erwünscht ist, Fotos von den traditionell Gekleideten zu machen. Viele bedanken sich sogar recht herzlich und hoffen, dass mit den Fotos ihre Aufmachung in die Welt hinaus getragen wird.








Nach 3 Tagen verlassen wir unsere gemütliche Unterkunft am Fluss wieder und fahren weiter nach Furungzhen, welches nur 110 km weiter nördlich auch in der Provinz Hunan liegt.
 



Furong Zheng 

Ein weiterer sehenswerten Ort von vielen in der Provinz Hunan ist Furong Zheng.
Furong Zeng wird auch als alte Stadt am Wasserfall bezeichnet. 






Ich denke dabei ein wenig an das auch heute noch von der Kaiserzeit geprägte Badgastein. Natürlich ist es ganz anders, hat unser Kaiser doch nie den Kaiser von China besucht. Nicht dass ich wüsste.
Obwohl, wurde in China nicht das bei Chinesen so beliebte Hallstadt nachgebaut? Warum also nicht auch Badgastein, ist ja auch sehr schön.
Und die Bergwelt rundherum, einfach traumhaft! Das klingt jetzt schon ein wenig wie Heimweh. Nein ist es noch nicht. Doch wir schätzen unsere schöne Heimat schon sehr.
Wir wussten ungefähr, was uns in China erwartet da wir bereits vor 10 Jahren das Land von Dalian im Osten bis zur tibetischen Grenze im Westen besucht haben.
10 Jahre sind eine sehr lange Zeit. Damals schliefen wir noch des öfteren in sehr einfachen Unterkünften und Jugendherbergen. Das ist heute anders.
Wir haben uns verändert, auch das Land hat sich stark verändert. 
Positiv überrascht uns immer wieder die freundliche Art der Leute. Ganz egal ob in der Provinz oder in der Millionenstadt, wir fühlen uns herzlich willkommen.
"Welcome in China" sagte eine junge fremde Dame in Yuhan am Bahnhof, von welcher wir vorher eine Auskunft brauchten. Gleichzeitig überrascht sie uns mit einer Schachtel voller Kuchen und ist schon wieder weg.
Oder vor einigen Tagen wieder an einem Bahnhof. Renate hatte kurzen Kontakt mit einem chinesischen Reisenden, welcher am Rucksack ein rotes Pferd als Anhänger trug. Da heuer ja das Jahr des Pferdes ist, signalisiert Renate dem Mann ihre Erkenntnis mit einem Daumen hoch. Kurzerhand entfernt der Mann das Maskottchen und schenkt es Renate.
Mittlerweile haben wir uns auch schon etwas an das Leben hier gewohnt. 
China ist groß und sowohl landschaftlich als auch kulturell sehr vielfältig.
Aber vor allem was die Landschaft betrifft wird sehr vieles kaputt gemacht.
Überall wird gebaut. Häuser, Städte, Straßen, Schienennetze, Kraftwerke und Hochspannungsleitungen sind fast überall präsent. Unberührte Natur sieht man immer weniger. Autoritäre Politik und die Wirtschaft bestimmen das Schicksal des Landes. Auf Kosten der Umwelt und natürlich in weiterer Folge auch auf Kosten der Bevölkerung.

Über Negatives  einer Reise zu berichten, ist immer etwas schwierig. Gleich einmal fragt man sich auch selbst, warum bin ich überhaupt hierher gekommen.
Und man ist natürlich noch kritischer wenn man wie wir das Glück hat in einem Land wie Österreich aufgewachsen zu sein.
China ist ein totalitärer Überwachungsstaat. Es gibt keinen Ort, wo keine Kameras installiert sind.  Außer im Hotelzimmer oder auf der Toilette, und da ist man sich nicht sicher.
Man wird durchgehend überwacht, vor allem auf der Straße. Unzählige Kameras und Radargeräte sind installiert, biegt man mit dem Auto irgendwo ab, wird das erkannt und man wird schon wieder geblitzt. Flächendeckend im ganzen Land.
Es ist unglaublich und Gott sei Dank bei uns undenkbar.
Taxifahrer sind sehr wortkarg, aber nicht nur weil sie einen sowieso schlecht verstehen, auch deshalb, weil die Gespräche im Taxi aufgezeichnet werden.
Ohne Reisepass kann man fast nichts unternehmen, braucht man für Museumsbesuche, am Bahnhof usw., oft gibt es zusätzlich noch ein Gesichtscreening.

Viele der Sehenswürdigkeiten und Nationalparks sind total überlaufen, vor allem am Wochenende und während der angeordneten Feiertage.
Aber da gibt es was Positives zu berichten. Chinesen sind keine Wanderer, bevorzugen in den Bergen die Seilbahn. Wählt man selbst den optionalen Wandersteig ist man alleine. Kaum geht man ein paar Schritte weg vom üblichen Weg, wird es angenehm ruhig.

Denn es ist laut, wirklich laut. Zusätzlich wird, um z. B. Essen oder sonst was von einem Standl anzupreisen ein Lautsprecher mit einem Tonband verwendet. Mit Musik untermalt und in einer Tour den ganzen lieben Tag. Der Lärm potenziert sich wenn oft mehrere Standler  ihre Waren verkaufen wollen. Man hält es kaum aus.
Sehr gebessert haben sich im Vergleich zu vor 10 Jahren die Manieren beim Essen. Es wird nicht mehr so viel gespuckt, gerülpst und alles bleibt am Teller, auch wenn's nicht schmeckt.

Aber nun genug der negativen Eindrücke.
Die Stadt Furong ist eher klein, hat aber einiges zu bieten. Betritt man den historischen Teil rund um den Wasserfall muss man ein paar Euro Eintritt bezahlen, das Permit ist dann 3 Tage lang gültig.
















Inkludiert sind der Besuch von kleinen Theatervorstellungen, auch traditionelle Tänze werden auf Bühnen aufgeführt.














Am Abend wird die Stadt wieder toll beleuchtet. Unweit des Wasserfalls war die Stimmung bei einem Glas Bier unglaublich romantisch.









Aber aufgrund des in der Nähe liegenden Zhangjiae Nationalparks, welcher auch bei europäischen Reisenden sehr beliebt ist, gibt es mehr internationale Besucher als gewöhnlich.

Wir verbrachten hier in einem über 100 Jahre alten Holzhaus, sehr gemütlich, ruhig und entspannt, drei Tage.









Zhenyuan 

Zhenyuan liegt in der Provinz Guizhou und ist noch nicht so bekannt wie Fenghuang oder Furungzheng.
Das kann auch daran liegen, dass es hier sehr häufig regnet.
Wir haben Glück und außer ein paar kurzen Schauern gab es kaum Niederschlag bei sommerlichen Temperaturen um die 28 Grad.
Wieder hat Renate uns in einem alten und historischen Haus in der Altstadt ein Zimmer gebucht. Es war herrlich ruhig hier, die Zimmer groß und geschmackvoll eingerichtet inklusive Balkon mit Blick in den Innenhof.






Direkt im Hotel gab es für Renate die Möglichkeit die Batiktechnik auszuprobieren.





Die antike Stadt hat eine 2000 Jahre alte Geschichte und liegt ebenfalls direkt am Fluss.



















Neben der Kleinstadt gibt es einiges zu besichtigen unter anderen die Qinglong Höhle.
Der Begriff Höhle ist irreführend, da es sich eigentlich nur um ein paar Grotten handelt um die herum Tempel und Pavillons aus der Ming Dynastie im 14. Jahrhundert errichtet wurden.


















Wir besuchten auch das kleine historische Museum der Stadt.







Da ich auch die Drohne mithabe mache ich ein paar Aufnahmen aus der Luft.
Obwohl, ich bin mir nicht mehr sicher, ob das so gscheit war.
Auch dieses Mal wurde wie immer am Bahnhof unser Gepäck  gescannt. Einem sehr emsigen Beamten fiel meine Drohne im Rucksack auf, seine Nervosität steigerte sich offensichtlich. Er inspizierte die Drohne, verlangte meinen Pass und verschwand in ein Büro.
Nach einiger Zeit kam er zurück, wollte was wissen sprach jedoch nur chinesisch. Wir stellten uns dumm, er überprüfte die Drohne ein zweites Mal. Etwas verzweifelt ließ er uns dann doch weiterfahren.
Danach habe ich mich genauer erkundigt. Also seit heuer im Frühjahr muss man jede Drohne in China, auch jene unter 250 Gramm, registrieren lassen. Ansonsten drohen saftige Strafen von über 1000 Euro.
Über eine Organisation bin ich gerade dabei dies nachzuholen. Mal sehen ob's auch funktioniert.












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